Mentale Gesundheit in schwierigen Zeiten

Seit nunmehr über einem Jahr leben wir in einer Gesundheitskrise, die unser Leben von Grund auf verändert hat. Die psychischen Kollateralschäden sind beträchtlich und betreffen verstärkt Jugendliche und junge Erwachsene, aber natürlich auch alle anderen Personengruppen unserer Gesellschaft. 

Vor allem jene Menschen, die bereits vor der Pandemie mit psychischen Problemen wie Depressionen, Angsterkrankungen oder einer Suchtproblematik konfrontiert waren, haben es derzeit besonders schwer. Zur bestehenden Grundproblematik kommen Existenzängste, Überbelastung und Einsamkeit aufgrund fehlender Sozialkontakte. Bei anderen wiederum wirkt sich die aktuelle Situation besonders gravierend auf ihre Beziehung oder innerhalb der Familie aus. Dies besonders dann, wenn es nicht ausreichend Möglichkeiten gibt, über Sorgen und Ängste zu sprechen oder diese in einer geschützten Atmosphäre zu verarbeiten.

Laut einer Studie der Donauuniversität Krems vom Jänner 2021 sind es gerade Jugendliche und junge Erwachsene, die derzeit besonders unter den Einschränkungen durch die Pandemie leiden. Ebenso sind Frauen, Arbeitslose, psychisch Kranke und alleinstehende Menschen ganz besonders stark von den negativen Folgewirkungen und der Einschränkung ihrer Lebensqualität betroffen. Besorgniserregend ist die Tatsache, dass ein Viertel der Bevölkerung bereits unter depressiven Symptomen leidet und sich die Zahl der schweren depressiven Fälle verzehnfacht hat. 

„Wer Sorgen hat, hat auch Likör“

Wilhelm Busch

Sehr häufig setzt in derartigen Krisensituationen der Wunsch nach Betäubung von negativen Gefühlen oder nach Stressabbau durch Suchtmittel oder andere abhängig machende Verhaltensweisen ein. So sagte Wilhelm Busch schon vor 150 Jahren sehr treffend: “Wer Sorgen hat, hat auch Likör”. Nun haben wir aber heutzutage im Gegensatz zu damals neben dem Alkoholmissbrauch als scheinbarem „Problemlöser“ auch sehr viele andere Arten von suchtauslösenden Substanzen relativ leicht verfügbar: von Nikotin, Medikamenten über Essen bis hin zur Entwicklung von Verhaltenssüchten wie Online-Spielsucht, Kaufsucht etc. Hier sind Betroffene und vor allem Angehörige oft überfordert und brauchen Unterstützung bei der Klärung von Fragen, wie zum Beispiel: Woran erkenne ich, dass Handlungsbedarf gegeben ist? Wie reagiere ich richtig, ohne mich selbst zu überfordern? Wo finde ich schnell und unbürokratisch Hilfe?

Es gibt Strategien, die uns auch in diesen schwierigen Zeiten helfen können, nur einige davon seien hier kurz angeführt:

  • Die Pandemie bzw. die Krise zu akzeptieren und das Bewusstsein zu stärken, dass der schwierigste Teil bereits hinter uns liegt
  • Solidarität mit anderen zeigen. Dazu kann jede(r) Einzelne etwas beitragen, Gespräche oder Hilfsangebote in der Nachbarschaft schaden nie! ?
  • Körperliche Betätigung, Sport, Freizeit in der Natur
  • In seinem Umfeld, in der Familie der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass wir es gemeinsam schaffen werden 
  • Das Gefühl der Selbstwirksamkeit stärken, d.h., sich gedanklich weniger damit zu beschäftigen, was man alles gerade NICHT darf und wo Fehler passieren, sondern sich zu fragen: Welche Potentiale habe ich auch in dieser Situation, welche Möglichkeiten stehen mir zur Verfügung, mein Leben positiv und schön zu gestalten?
  • Sich Hilfe holen, wenn man das Gefühl hat, es alleine nicht mehr zu schaffen. In diesem Fall ist es unbedingt ratsam, professionelle Beratung, Coachings oder auch Therapie in Anspruch zu nehmen. 
    (Spezielle Adressen & Beratungsmöglichkeiten gerne auf Anfrage!)

Ein kleiner Lichtblick und Zeichen, dass das Thema psychische Gesundheit in der Krise nicht vergessen werden darf, ist das kürzlich vom Gesundheitsministerium eingesetzte Gremium unter der Leitung von Prof. Michael Musalek. Dadurch soll die psychosoziale Versorgung jener Menschen verbessert werden, die durch die Pandemie einem besonderen psychischen Druck ausgesetzt sind. 

Erschienen auf frau-ida.at